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Krankheiten die beim Saarlooswolfhond auftreten können

Augenkrankheiten

Der Aufbau des Auges eines Hundes ist mit dem Auge des Menschen nahezu identisch:

Wie bei vielen anderen Hunderassen gibt es auch beim Saarlooswolfhond Augenkrankheiten, die züchterisch bekämpft werden müssen. Um dies zu gewährleisten und das Risiko solcher Erkrankungen zu minimieren, schreibt der VDH eine Augenuntersuchung vor, ohne die keine Zuchtzulassung möglich ist.

Ein Auszug aus den VDH-Zuchtzulassungsbestimmungen hierzu:

2.6. Augenuntersuchung

Eine Augenuntersuchung ist nach den Vorgaben des VDH nachzuweisen. Für die Augenuntersuchung sind nur hierfür entsprechend ausgebildete Tierärzte zugelassen, welche bei der VDH-Zuchtbuchstelle zu erfragen sind.

Der zur Zucht zuzulassende Hund muss frei sein von allen genetisch bedingten Augenerkrankungen (z.B. PRA, CEA, RD, PHTV, PHPV, Katarakt). Eine Untersuchung ist frühestens mit 12 Monaten durchführbar.

Die Untersuchung darf zum Zeitpunkt der Beantragung der ZZL nicht älter als drei Monate sein.

Die Untersuchung hat ein Jahr Gültigkeit und ist regelmäßig zu wiederholen, spätestens jedoch vor einem erneuten Zuchteinsatz. Dies ist unaufgefordert vom Züchter nachzuweisen, da andernfalls die ZZL erlischt.

Die entsprechend ausgebildeten Tierärzte, welche diese Untersuchung durchführen dürfen, gehören dem sogenannten „Dortmunder Kreis“, abgekürzt DOK, an. Der DOK ist die Gesellschaft für Diagnostik genetisch bedingter Augenerkrankungen. Diese Tierärzte haben sich auf Augenkrankheiten spezialisiert und eine spezielle Ausbildung hierfür absolviert. Mehr Informationen über den DOK finden Sie hier: http://www.dok-vet.de/ .

Im folgenden soll auf die Augenkrankheiten PRA und Katarakt, welche bereits beim Saarlooswolfhond festgestellt wurden, näher eingegangen werden:

PRA - Progressive Retina Atrophie

Generalisierte Progressive Retina Atrophie (gPRA) ist eine vererbliche Augenkrankheit beim Hund und hat zur Folge, daß nach und nach die Sehsinneszellen in der Netzhaut (Retina) des Hundes zugrunde gehen. Erste Anzeichen für die Erkrankung ist Nachtblindheit, im Endstadium ist Blindheit die Folge. Beim SWH gibt es zwei Formen der PRA, eine frühe, die etwa zwischen dem zweiten und dritten Lebensjahr bereits zur Blindheit führen kann und eine spätere Form, welche sehr langsam fortschreitet und deswegen nicht unbedingt zur völligen Erblindung führt. Die frühe und die späte Form der PRA sind vermutlich wie zwei verschiedene Erkrankungen zu behandeln, da es Mutationen der Krankheit sind. In Deutschland gibt es beim Saarlooswolfhond zu diesem Zeitpunkt (Januar 2008) zwei aktuelle PRA-Fälle der frühen Form. In der Vergangenheit waren jedoch mehrere Fälle bekannt. Daher kennt man auch einige Träger dieser Krankheit. Auch wenn dies wenig erscheinen mag - angesichts der kleinen Population und des hohen Inzuchtgrades des SWH ist hier Handlungsbedarf angesagt!

Es gibt ein Forschungsprojekt in Bochum, um das PRA-Gen bei verschiedenen betroffenen Rassen zu finden. Um die PRA-Forschung zu unterstützen, kann man Blut oder ein Auge (wenn das Tier verstorben ist) von erkrankten Tieren inklusive der Ahnentafel des Tieres an die Uni Bochum schicken. Die GKF unterstützt die Forschungen finanziell und man kann dort Mitglied werden oder für einen bestimmten Zweck spenden. Die Spendengelder treiben die Forschung weiter voran.

Die Diagnose der PRA sollte von einem auf Augenkrankheiten spezialisierten Tierarzt durchgeführt werden. Augentropfen erweitern sehr stark die Pupille des Hundes, was dem Tierarzt mit Hilfe eines sogenannten Ophthalmoskops ermöglicht, die Netzhaut zu untersuchen. Ist ein Hund erkrankt, kann der Tierarzt folgende Veränderungen am Auge feststellen:

· erhöhte Reflexion des Fundus (die Innenseite des Augenhintergrundes, der Netzhaut anliegend),
· verminderte Durchmesser und Verzweigungen der retinalen Blutgefässe,
· Schrumpfung des sichtbaren Bereichs des optischen Nervs (nervöse Verbindung der Netzhaut zum Gehirn)

Liegt ein Verdacht vor, daß der Hund an PRA erkrankt ist, kann durch ein ERG (Elektroretinogramm) die Diagnose gesichert werden. Dabei werden elektrische Ströme der Retina gemessen – sind diese Ströme vermindert oder gar ausgelöscht, liegt eine Erkrankung vor. Für diese Untersuchung muß der Hund jedoch in Narkose gelegt werden. Diese Methode eignet sich auch zur Frühdiagnostik bevor überhaupt klinische Merkmale der Krankheit auftreten.

PRA ist beim Saarlooswolfhond nach momentanem Erkenntnisstand eine autosomal rezessiv vererbte Erkrankung, d.h. nur wenn beide Elterntiere mindestens ein defektes Gen tragen, können auch die Nachkommen erkranken. Im folgenden wird der rezessive Erbgang erklärt

: "G" bedeutet, es handelt sich um ein gesundes Gen, "p" bedeutet, es ist ein PRA-Gen (defektes Gen). Jedes Tier besitzt ein Genpaar. Somit bedeutet:
„GG“: das Tier ist gesund und kein Träger des defekten Genes.
„Gp“: das Tier ist Träger des defekten Genes, jedoch selbst nicht erkrankt.
“pp“: das Tier hat zwei defekte Gene und ist somit an PRA erkrankt.

Ein Nachkomme bekommt jeweils ein Gen vom Vater und eines von der Mutter. Somit sind folgende Kombinationen möglich (Mutter x Vater = Nachkommen):

-> alle Nachkommen sind gesund und keine Träger des defekten Genes! -> alle Nachkommen sind Träger der Krankhei t, sind aber selbst nicht erkrankt! -> 50% der Nachkommen sind Träger, 50% erkrankt! -> 25% der Nachkommen sind frei, 50% sind Träger und 25% sind erkrankt! -> alle Nachkommen sind erkrankt!

Wenn man das Gen kennen würde, so könnte man auch mit Trägern züchten - man müßte sie nur mit Nicht-Trägern verpaaren. Dies wäre ein Segen für die Rasse, denn man könnte gezielt züchten ohne ein PRA-Risiko einzugehen. Träger des defekten Gens erkranken nicht an PRA und haben keinerlei Probleme oder Nachteile.

Weitere Links zur PRA-Forschung: FORSCHUNGSPROJEKT: gPRA Gabriele Dekomien (Juni 2006)

Bochumer Wissenschaftlerinnen erforschen Ursachen der Netzhauterkrankung PRA

Molekulargenetik in der Hundezucht von Gabriele Dekomien

DNA-Tests beim Hund von Gabriele Dekomien

Molekulargenetik in der Hundezucht, Dipl. Biol. Tanja Lippmann, Prof. Dr. Jörg T. Epplen Abteilung für Humangenetik der Ruhr-Universität Bochum

Dortmunder Kreis - DOK

Katarakt

Katarakt ist eine medizinische Bezeichnung für jegliche Trübung der Linse und wird auch als landläufig bekannten grauen Star bezeichnet. Der graue Star geht einher mit einer Trübung der Linse im Auge. Die Trübung kann unterschiedliche Ausmaße annehmen. Je nach Ausbreitung der Linsentrübung wird das Sehvermögen eingeschränkt – bei völliger Trübung der Linse führt es sogar zur Erblindung.

Die Ursache für einen Katarakt kann verschiedenen Ursprungs sein: Entzündungen, Diabetes mellitus, Verletzungen, Vergiftungen und vor allem erbliche Faktoren sind hier zu nennen. Im Alter gibt es im Auge oftmals Veränderungen, die zu einer Graufärbung der Linse führen, was aber ein normaler Prozess ist und das Sehen nicht oder kaum beeinträchtigt. Er wird als Kernsklerose bezeichnet und oft mit einem Grauen Star verwechselt. Sehr selten gibt es echte „senile Katarakte“, die aus der Kernsklerose heraus entstehen können.

Die häufigste Ursache des Katarakts ist Vererbung und dies wird a priori angenommen, so lange nichts anderes bewiesen ist. Der Erbgang ist noch nicht sicher geklärt, aber im allgemeinen wird angenommen, daß es rezessiv vererbt wird und somit würden die Graphiken zur Vererbung der PRA – siehe oben – ebenso für Katarakt zutreffen.

Katarakt ist ohne Operation nicht behandelbar, auch kann man das Fortschreiten der Krankheit medikamentös nicht verhindern, jedoch sind die Prognosen bei einer OP sehr gut. Die Operationsmethode der Wahl ist die sogenannte Phakoemulsifikation (PE). Bei der PE wird unter Vollnarkose mit Ultraschall die kataraktöse Linse zertrümmert und gleichzeitig abgesaut. Die Linse wird dann mit einer künstlichen Linse ersetzt.

Die Diagnose erfolgt ebenfalls wie bei PRA zum einen durch das Betrachten des Auges mit einem Ophthalmoskop. Bevor eine Operation erfolgen kann, muß durch ein Elektroretinogramm (ERG), bei dem die Ströme im Auge gemessen werden, die Funktion der Retina gesichert werden – nur dann kann eine OP zum Erfolg führen.

Beim Saarlooswolfhond sind einige Kataraktfälle bekannt.

Weitere Augenkrankheiten

Es gibt weitere Augenkrankheiten beim SWH, welche diagnostiziert wurden, aber züchterisch für die Gesamtpopulation kein Problem darstellen, da sie sehr selten vorkommen, teilweise nur Einzelfälle sind:

Microphtalmie:

Zu kleine, unterentwickelte Augäpfel.

Distichiasis:

Bei der Distichiasis handelt es sich um wimpernartige, feine Haare, welche aus den Talgdrüsen des Lidrandes heraus in Richtung des Auges wachsen. Die fehlgestellten Wimpern können auf der Hornhaut reiben und somit für das Tier einen ständigen Reiz verursachen.

Kornea-Dystrophie:

Abnorme Augenhornhaut (Cornea), zumeist durch flache Mulden auf der Augenoberfläche charakterisiert.

Linsenluxation:

Die Linsenluxation oder Linsenektopie ist eine Verlagerung (Ektopie) der Augenlinse in die vordere Augenkammer oder in den Glaskörperraum. Dies kann teilweise oder vollständig geschehen.

Retinadysplasie:

Fehlbildung im Bereich der Netzhaut (Retina).

Schäferhundkeratitis:

Chronisch verlaufende Entzündung der Hornhaut.

Glaukom:

Grüner Star

Conjunktivitis Follicularis

Die Conjunktivitis Follicularis ist eine besondere Form der Bindehautentzündung. Sie ist gekennzeichnet dadurch, dass sich auf der Innenfläche der Nickhaut stecknadelkopfgroße , harte, glasige Bläschen bilden, die wie Sand auf der Hornhaut kratzen und das Auge ständig reizen. Starker Tränenfluß, Rötung und Zwinkern sind die Folge.

Verstopfte Tränenkanäle:

Verstopfte Tränenkanäle führen zu tränenden Augen.

Gelenkserkrankungen

Beim Saarlooswolfhond stellen Gelenkserkrankungen kein Problem dar, dennoch soll hier insbesondere auf die Hüftgelenksdysplasie eingegangen werden, da eine gesunde Hüfte Voraussetzung für die Zucht ist und die Untersuchung auf diese Krankheit notwendig ist, um die Zuchtzulassung zu bekommen.

Hüftgelenksdysplasie

Das Wort Dysplasie stammt aus dem Griechischen und setzt sich aus den beiden Worten dys = schlecht und plasia = Formgebung zusammen. Die Hüftgelenkdysplasie (HD) des Hundes ist eine erblich bedingte Fehlbildung des Hüftgelenks, bei der ein- oder beidseitig die Hüftgelenkpfanne und der Oberschenkelkopf nicht zueinander passen. Es kann zu entzündlichen und degenerativen Veränderungen kommen und daraus eine Arthrose entstehen. Wenn die Hüftgelenkspfanne so stark deformiert bzw. abgeflacht ist, daß der Oberschenkelkopf keinen ausreichenden Halt mehr findet, kann es sogar zu Luxationen oder Subluxationen kommen, d.h. der Oberschenkelkopf springt aus der Pfanne.

Eine HD entwickelt sich innerhalb des ersten bis zweiten Lebensjahres eines Hundes und ist nicht angeboren. Je nach Schweregrad der HD zeigt der Hund keine bis starke Symptome, die vielfältiger Natur sein können, wie z.B. Probleme beim Aufstehen, schwankender instabiler Gang, Schleifen der Zehen auf dem Boden, Muskelschwund in den Hintergliedmaßen, Lahmheit etc. Bei sehr schwerer HD können sich sogar Knorpelstückchen vom Gelenk lösen, welche dann in den Gelenkspalt gelangen können und dadurch starke Schmerzen verursachen.

Die Vererbung der Hüftgelenksdysplasie ist bis dato noch nicht geklärt. Man geht davon aus, daß es polygen vererbt wird, d.h. es sind mehrere Defektgene für eine Erkrankung verantwortlich, wobei die Schwere der HD einhergeht mit der Anzahl der Defektgene, welche ein Hund hat – man spricht hier auch von additiver Vererbung. Weiterhin haben Ernährung und Umwelteinflüsse eine vermutlich nicht zu unterschätzende Auswirkung. Somit hängt die Ausprägung der HD von mehreren Faktoren ab, was züchterisch sehr schwer zu bekämpfen ist. Viele Rassezuchtvereine setzen hierfür eine Zuchtwertschätzung ein.

Die Diagnose muß durch eine Röntgenaufnahme erfolgen. Der Hund muß dabei auf dem Rücken gelagert werden, die Beine werden gerade nach hinten ausgestreckt. Für die offzielle HD-Auswertung für die Zuchtzulassung schreibt der VDH in der Zuchtordnung hierbei eine ausreichende Sedierung (Narkose) vor. Die Auswertung des Röntgenbildes übernimmt ein HD-Gutachter, der vom VDH gestellt wird.

Bei der Beurteilung der Hüfte finden zwei Hauptkriterien besondere Bedeutung:

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