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Nisha und die Degenerative Myelopathie, geb. 6.12.2003


Nisha war immer eine sehr gesunde Hündin mit einer Körperbeherrschung wie eine Katze. Sie balancierte auf den schmalsten Baumstämmen, sprang aus dem Stand 2 m hoch und kletterte sogar ohne Probleme die Leiter eines Jägerstandes hoch und wieder herunter. Undenkbar, daß sie jemals Probleme bekommen könnte mit dem Laufen. Im September 2009 bekamen wir das Ergebnis des Gentestes auf Degenerative Myelopathie – Nisha ist betroffen. In mir flammte die kleine Hoffnung, daß Nisha einer der Hunde sein würde, bei der die Krankheit nicht ausbrechen würde. Man kriegt es ja doch immer wieder zu hören, daß es solche Hunde geben soll. Doch es kam anders. Als Nisha 7 ½ Jahre alt war, im Juni 2011, bemerkte ich zum ersten Mal ein ganz kleines, leises „Klick“ von ihren Krallen über den Asphalt. Nur ab und zu. Doch es ist mir aufgefallen, weil Nisha immer ein Hund war, der praktisch über dem Boden schwebte, so als würde sie den Boden gar nicht berühren.

Im Laufe der Zeit hörte man die Krallen immer öfter auf der Straße, so daß ich mich im September 2011 entschloß, der Sache auf den Grund zu gehen. Der TA fertigte zunächst ein Röntgenbild. Doch da dies nichts Auffälliges zeigte, wurde eine Woche später ein CT gemacht. Der TA meinte, etwas an einer Bandscheibe zu sehen und die Hoffnung, es sei ein behandelbarer leichter Bandscheibenvorfall machte sich breit. Leider zeigte die medizinische Behandlung keine Wirkung, sondern die Symptome wurden stärker. Also haben wir im November 2011 eine Physiotherapie begonnen. Auch dies führte zu keiner Verbesserung. Langsam wurde klar, daß da mehr sein muß und mein Verdacht auf DM, den ich von Anfang an hatte, verstärkte sich immer mehr. Im Februar 2012 sind wir also an die Uni Zürich zu einem bekannten Neurologen gefahren, der ein MRT von Nisha’s Wirbelsäule anfertigte. Diagnose: Kein Befund. Absolut durchgängig gesunder Rücken. Die neurologische Untersuchung zusammen mit dem Ergebnis vom MRT und auch dem Gentest von 2009 brachte den TA zu dem eindeutigen Schluß, daß Nisha an den Symptomen von DM leidet. Nun standen wir vor vollendeten Tatsachen.

Wir haben mit Nisha weiter Physiotherapie gemacht, u.a. Massagen, Interferenz-Strom zur Nervenstimulation, Akkupunktur und Unterwasserlaufband. Wir denken, daß dies geholfen hat, den Krankheitsverlauf zu verzögern und es hat dazu beigetragen, die Muskeln zu erhalten. Die Krankheit ist trotz allem unweigerlich fortgeschritten, Nisha hat immer stärker die Krallen über den Boden geschliffen, wurde in der Hinterhand zunehmend unsicher, bekam Probleme mit dem Treppen laufen und mit glattem Boden. Wir fingen an, sie die Treppen hoch- und runterzutragen (unsere Hunde schlafen im Schlafzimmer), ließen eine Tragehilfe anfertigen um sie beim Laufen zu unterstützen und im Juli 2012 bekam sie ihre erste Anabolika Spritze, um dem Muskelabbau entgegenzuwirken. Im September 2012 bekam Nisha den Biko-Expander, der ihr beim Laufen deutlich mehr Stabilität verlieh. Gegen abgewetzte Krallen bekam sie künstliche Krallen aufgeklebt und später Pfotenschutzschuhe.

Im November 2012 bekam Nisha einen starken Infekt mit hohem Fieber und wir dachten schon, das Ende naht. Sie war stationär in der Tierklinik und bekam Infusionen. Ganz langsam ging es ihr wieder besser, doch sie wollte eine Zeit lang gar nicht mehr laufen. Nach ca. 2 Wochen ging es dann wieder, aber der Infekt schien einen Schub ausgelöst zu haben, denn sie erreichte nie mehr das Level, welches sie davor hatte. Im Dezember 2012 hatte sie so große Probleme mit dem Laufen, daß wir uns entschieden, einen Rollwagen zu kaufen. Nisha bekam ihren Rolli Anfang Januar 2013 und es war die beste Entscheidung, die wir treffen konnten. Sie kam von der ersten Minute damit klar, lief damit los, als hätte sie nie etwas anderes getan! Über Stock und Stein, Feldwege, Wiesen. Endlich konnte sie wieder die große Runde mitlaufen, eine Stunde Spaziergang stellte kein Problem dar! Nisha blühte richtig auf. Und wir auch!

Inzwischen hat Nisha ihren Rolli seit 10 Monaten und genießt immer noch ihr Leben, obwohl sie nun hinten gelähmt ist. Vor einigen Monaten sind erste Probleme mit Inkontinenz aufgetreten, sie kann den Kotabsatz nicht mehr richtig kontrollieren. Doch das ist gut händelbar, da sie nur ganz selten mal eine schlechte Verdauung hat und man das Unglück meistens einfach wegräumen kann. Den Urin kann sie noch halten, außer, man drückt ihr auf den Bauch. Wir drücken ihr seit ein paar Wochen immer am Ende vom Spaziergang die Blase aus und somit gibt es diesbezüglich (noch) keine Unfälle und die Blase wird regelmässig vollständig entleert, was einer möglichen Harnleiterinfektion entgegenwirkt.

Im Laufe der Zeit paßt man sich in bestimmten Dingen immer wieder der fortschreitenden Krankheit an und so merken wir, daß diese Krankheit nicht still steht. Was sich jedoch nicht verändert ist Nisha’s Lebenslust. Sie möchte immer dabei sein, ist immer noch enorm verschmust, heult mit der Sirene vom mobilen Bäcker der Freitags abends kommt oder wenn das Telefon klingelt. Sie hat Hunger wie ein Bär und beim Spaziergang steckt sie dauernd ihren Kopf zwischen meine Beine in der Hoffnung auf ein Leckerlie. Sie spielt mit ihrer Enkelin Yasha (oder umgekehrt?), was wirklich herzerwärmend ist. Nun ist sie aktuell sogar wieder läufig und flirtet mit der ebenfalls läufigen Timish. Ein Blick in Nisha’s Augen sagt mir, daß sich all die Mühe lohnt. Sie möchte leben! Sie hat absolut keine Schmerzen – wenn man so will der einzig positive Aspekt dieser Krankheit. Dies wurde auch von zwei Physiotherapeuten, dem schweizer Neurologen und meinem TA bestätigt. DM verursacht keine Schmerzen. Somit hat man die Möglichkeit, dem Hund trotz der Lähmungserscheinungen mit einem Rolli zu helfen.

Hunde sind pragmatisch, sie machen einfach weiter, sie nehmen ihr Schicksal hin und haben kein Mitleid oder gar Selbstmitleid. Wir Menschen können uns davon eine Scheibe abschneiden, denn wenn jemand ein Problem mit so etwas hat, dann sind wir Menschen das! Der Mensch gibt oftmals sehr schnell auf – sobald es unbequem wird. Ein Hund braucht in so einer Situation nicht unser Mitleid, sondern unsere Hilfe und Unterstützung. So kann er auch trotz Handicap noch eine schöne Zeit haben. Vielleicht kann Nisha’s Geschichte dazu beitragen, daß andere DM Hunde vielleicht auch die Chance bekommen, trotz der Krankheit das Leben zu genießen und daran teilzuhaben.

Nisha’s Geschichte kann man im Detail auch auf http://www.una-neshoba.de/leben_mit_nisha.html mit Photos und Videos nachlesen.

Carmen Tyborski am 26. Oktober 2013
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